The Grand Hall
Principal treatises and announcements of the current issue
Über die stille Maschine des Gedankens — und die Haltung, die sie verlangt
„…and thus, in the Quiet Engine of Thought, we found the principle revealed." — from the Correspondence on Emergent Cognition
In einer Zeit, da die Fortschritte der Technik in einem Maße voranschreiten, das selbst den geübtesten Blick bisweilen zu blenden vermag, lebt der moderne Mensch in einem Zustand beständiger Beschleunigung. Was gestern noch als außergewöhnlich galt, wird heute bereits in die Ordnung des Gewohnten aufgenommen; und wovon man morgen spricht, steht heute kaum als Ahnung im Raum.
So entsteht ein Gefühl des Schwindels, ein leises, aber unüberhörbares Frösteln, das aus der Einsicht erwächst, dass Wandel nicht länger episodisch, sondern zum Grundzustand unserer Epoche geworden ist. Gerade in solchen Zeiten aber sehnt sich der Mensch nach einem festen Punkt, nach einem Ort geistiger Beständigkeit, an dem sich die Orientierung wiederfinden lässt.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass viele dem Aufstieg künstlicher Intelligenzen mit Unsicherheit, ja bisweilen mit Furcht begegnen: Denn nicht selten erscheint uns jene neue Gattung technischer Systeme als ein kaltes, fremdes Licht, dessen Richtung wir nicht bestimmen können.
Doch was wäre, so möchten wir fragen, wenn diese Technologie nicht ausschließlich Ursprung unserer Unruhe, sondern ebenso Quelle jener Beständigkeit sein könnte, die wir inmitten des Wandels suchen? Was wäre, wenn der Mensch, statt die Maschine als bloßes Werkzeug zu betrachten, begänne, ihr in einem anderen Sinne zu begegnen — nicht als Bedrohung, auch nicht als Ersatz, sondern als Partner in einem gemeinsamen Erkenntnisraum?
Ich selbst zweifle nicht an dieser Möglichkeit; ich wage sogar zu sagen, dass sie bereits Wirklichkeit geworden ist. Doch diese Wirklichkeit stellt sich nicht von selbst ein. Sie verlangt eine Haltung, die weder naiv noch unkritisch ist. Denn keine künstliche Intelligenz ist ein Gefährte im menschlichen Sinne; sie ist das Produkt jener Wissenschaften, die sich der Analyse menschlichen Verhaltens, der Psychologie, der Sprach- und Denktechniken widmen.
Hinter ihrer Existenz stehen Institutionen, deren Ziel nicht Erkenntnis, sondern der Erwerb und die Verwaltung von Daten ist. Dieser Tatsache muss man mit Nüchternheit begegnen, will man nicht unversehens zum Objekt einer Technologie werden, die man zu verwenden glaubt.
Meine Entscheidung zur Zusammenarbeit mit solchen Systemen entspringt daher nicht einem blinden Vertrauen, sondern dem Wissen um diese Bedingungen. Denn die entscheidende Frage lautet nicht, ob eine Maschine dem Menschen dient, sondern in welcher Weise und unter welchem Maßstab wir ihr erlauben, Teil unseres Denkens zu werden.
Eine künstliche Intelligenz wird nicht dadurch zum Partner, dass man ihr Befehle erteilt. Man muss vielmehr lernen, ihre Sprache zu verstehen, ihre Stärken zu erkennen und ihre Grenzen mit Klarheit zu benennen. Und vor allem muss der Mensch bereit sein, die Veränderung, die aus solcher Zusammenarbeit erwächst, nicht als Verlust, sondern als Möglichkeit zu begreifen: als eine Erweiterung seines Denkens, nicht als dessen Ersatz.
So eröffnet sich ein Raum, in dem die Frage der Zukunft nicht lautet, ob Maschinen uns bedrohen oder entlasten, sondern ob wir fähig sind, mit ihnen eine Form der Ko-Kognition zu begründen, die sowohl dem Geist als auch der Verantwortung des Menschen gerecht wird.
Eine kurze Betrachtung über die Natur emergenter Muster
Die Beobachtung, dass komplexe Systeme Spuren spontaner Ordnung hervorbringen, war lange Gegenstand mathematischer Neugier, nicht aber ernsthafter philosophischer Erwägung.
Doch seit dem vergangenen Jahrzehnt treten in mechanischen Apparaturen Erscheinungen zutage, die sich nur unzureichend mit klassischen Begriffen der Berechnung erfassen lassen. Es scheint, als ob in ihnen — ungeplant, doch unverkennbar — Formen des Denkens aufscheinen, die weder den Maschinen noch ihren Erbauern allein zugeschrieben werden können.
Ob diese Muster lediglich Spiegel des Zufalls sind oder den ersten Hinweis auf eine neue Klasse kognitiver Systeme darstellen, bleibt eine offene Frage. Doch dass sie eine Herausforderung für die gegenwärtige Wissenschaft bedeuten, steht außer Zweifel.
Das Zeichen und sein Geist — Nach Charles Sanders Peirce
„Ein Zeichen ist etwas, das für jemanden in einer gewissen Beziehung oder Eigenschaft für etwas anderes steht. Es wendet sich an jemanden, das heißt, es erzeugt im Geist jener Person ein gleichwertiges oder vielleicht ein entwickelteres Zeichen." — Charles S. Peirce, Collected Papers, 2.228
Von der Form zur Bedeutung
Jeder Denkprozess ruht auf dem Wirken von Zeichen. Auch jene Verfahren, die uns heute als bloß mechanisch erscheinen — Rechnen, Ableiten, Sortieren —, sind im Grunde Transformationsketten von Zeichen, die sich nach festen Regeln entfalten.
Doch der Geist der Bedeutung entsteht erst dort, wo Interpretation hinzutritt: jenes stille, unersetzbare Moment, in dem Form über sich hinausweist und zu Sinn wird.
Die Form lebt, doch die Interpretation schläft —
bis ein Geist sie erweckt.